Impingement der Schulter – wenn das Armheben wehtut
Sie heben den Arm, um eine Jacke anzuziehen oder etwas aus dem oberen Regal zu holen – und plötzlich sticht es in der Schulter. Nachts wachen Sie auf, wenn Sie auf der Seite liegen. Hinter solchen Beschwerden steckt häufig ein Impingement-Syndrom: Unter dem Schulterdach wird es zu eng, und eine Sehne wird bei bestimmten Bewegungen eingeklemmt.
In diesem Artikel erfahren Sie, was dabei in Ihrer Schulter passiert, woran Sie ein Impingement erkennen, was Sie selbst tun können und wie ich Sie in meiner Praxis in Berlin Prenzlauer Berg mit Osteopathie unterstützen kann.
Was ist ein Impingement-Syndrom?
„Impingement“ ist Englisch und heißt so viel wie „Einklemmen“. Zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach – einem Knochenvorsprung des Schulterblatts – ist nur wenig Platz. Durch diesen schmalen Raum laufen eine Sehne der Rotatorenmanschette und ein kleiner Schleimbeutel, der wie ein Gleitkissen wirkt.
Wird dieser Raum enger oder ist die Sehne gereizt und geschwollen, wird sie beim Heben des Arms eingeklemmt. Das tut weh – und jede weitere Reibung kann die Reizung verstärken. Zuerst spüren viele nur ein leichtes Ziehen bei bestimmten Bewegungen. Mit der Zeit können die Schmerzen stärker werden und auch nachts auftreten. Wird die Reizung lange nicht beachtet, kann die Schulter steifer werden und die Sehne Schaden nehmen.
Typische Beschwerden
Typisch ist ein stechender Schmerz außen an der Schulter, wenn Sie den Arm seitlich oder nach vorne heben. Oft tut es nur in einem bestimmten Bereich weh: etwa zwischen halber Höhe und knapp über Schulterhöhe. Ist der Arm ganz oben, wird es wieder besser. Fachleute nennen das den „schmerzhaften Bogen“.
Weitere häufige Beschwerden:
- Schmerzen bei Bewegungen über Kopf, zum Beispiel beim Anziehen, Haarekämmen oder beim Sport
- Schmerzen in der Nacht, besonders wenn Sie auf der betroffenen Schulter liegen
- Weniger Beweglichkeit – den Arm zu heben, fällt immer schwerer
- Weniger Kraft in der Schulter, oft mit einer Schonhaltung
- manchmal ein Knacken oder Reiben im Gelenk
Die Beschwerden beginnen oft schleichend und können sich über Wochen oder Monate verstärken. Je früher Sie gegensteuern, desto leichter lässt sich die Schulter oft wieder beruhigen.
Ursachen: Warum wird es in der Schulter eng?
Am häufigsten ist die Sehne des Supraspinatus betroffen – ein kleiner Muskel der Rotatorenmanschette, der oben über das Schultergelenk zieht. Seine Sehne verläuft genau durch die Engstelle unter dem Schulterdach und arbeitet bei jedem Armheben mit. Reibt sie dort immer wieder, kann sie sich reizen, entzünden und im Laufe der Zeit kleine Risse bekommen.
Auch der Schleimbeutel unter dem Schulterdach kann mitgereizt werden. Eigentlich sorgt er dafür, dass die Sehne glatt gleitet. Ist er entzündet, schwillt er an – dann wird es noch enger, und die Schmerzen nehmen zu.
Was die Enge begünstigen kann:
- Haltung im Alltag: viel Sitzen am Computer, ein runder oberer Rücken und nach vorn gezogene Schultern
- Sport und Arbeit über Kopf, zum Beispiel Tennis, Schwimmen, Krafttraining oder Malerarbeiten
- Muskeln, die ungleich stark sind: Sind die kleinen Haltemuskeln der Schulter schwach, rutscht der Oberarmkopf beim Heben leicht nach oben
- Ein steifes Schulterblatt, das beim Armheben nicht genug mitdreht
- Veränderungen am Knochen, zum Beispiel ein kleiner Knochensporn am Schulterdach
- Das Alter: Mit den Jahren werden Sehnen empfindlicher
- Stress, der die Muskeln in Schultern und Nacken dauerhaft anspannt
Meist kommen mehrere dieser Punkte zusammen. Deshalb schaue ich mir in der Praxis nicht nur die Schulter an, sondern auch Schulterblatt, oberen Rücken und Nacken.
Wie wird ein Impingement festgestellt?
Das Gespräch
Am Anfang stehen Ihre Beschwerden: Seit wann haben Sie die Schmerzen? Bei welchen Bewegungen? Wachen Sie nachts davon auf?
Die Untersuchung
Mit einfachen Bewegungstests lässt sich viel erkennen. Typisch ist der schmerzhafte Bogen beim seitlichen Armheben. Auch bestimmte Drehbewegungen oder Druck auf die Schulter lösen den Schmerz oft aus.
Bilder beim Arzt
Wenn nötig, veranlasst Ihr Arzt eine Bildgebung:
- Ultraschall zeigt gereizte oder verdickte Sehnen und einen entzündeten Schleimbeutel.
- MRT macht Veränderungen an den Sehnen sichtbar, auch kleine Risse.
- Röntgen zeigt Veränderungen am Knochen, zum Beispiel einen Knochensporn oder Kalk.
Wichtig ist, andere Ursachen für Schulterschmerzen auszuschließen – etwa eine Kalkschulter, eine Schultersteife („Frozen Shoulder“), Arthrose oder Beschwerden, die von der Halswirbelsäule in die Schulter ausstrahlen.
Wann Sie die Schulter ärztlich abklären lassen sollten
Meist steckt hinter Schmerzen beim Armheben eine Reizung, die sich gut behandeln lässt. Bitte lassen Sie Ihre Schulter aber zeitnah ärztlich untersuchen, wenn
- die Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall begonnen haben,
- Sie den Arm plötzlich kaum oder gar nicht mehr heben können,
- die Schulter gerötet, heiß und geschwollen ist oder Fieber dazukommt,
- Kribbeln, Taubheit oder Schwäche bis in die Hand ziehen.
Umgehend ärztliche Hilfe brauchen Sie, wenn Schulterschmerzen zusammen mit Druck oder Enge in der Brust, Atemnot, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch auftreten. Dann kann die Ursache auch ganz woanders liegen als in der Schulter.
Was Sie selbst tun können
Bei einem Impingement können Sie selbst viel dazu beitragen, dass sich die Schulter beruhigt:
- Bewegen statt ruhigstellen: Bewegen Sie den Arm weiter im schmerzfreien Bereich – meist unterhalb der Schulterhöhe. Ganz stillhalten kann die Schulter steif machen.
- Überkopf-Belastung vorübergehend meiden: Schweres Heben, Arbeiten über Kopf und Sport mit dem Arm über Kopf erst einmal zurückfahren.
- Haltung prüfen: Am Schreibtisch aufrecht sitzen, die Schultern locker nach hinten unten, regelmäßig aufstehen.
- Kälte oder Wärme: Bei frischen, starken Schmerzen tut vielen Kälte gut, bei Verspannungen eher Wärme.
- Gezielte Übungen: Übungen für die Rotatorenmanschette und das Schulterblatt können der Sehne helfen, wieder mehr Platz zu bekommen.
Passende Übungen finden Sie hier – jeweils mit Anleitung, Bildern und Videos:
- Rotatorenmanschette: 3 Übungen bei Schulterschmerzen – der Einstieg
- Rotatorenmanschette kräftigen – Aufbauprogramm in 3 Stufen – wenn der Schmerz nachlässt
- Latissimus-Übungen bei Schulterschmerzen – der große Rückenmuskel als Helfer
- Übungen gegen Rundrücken – für einen aufrechten oberen Rücken
Üben Sie immer nur so weit, dass es nicht stärker schmerzt. Ein leichtes Ziehen ist in Ordnung.
Behandlungsmöglichkeiten bei Impingement
Wie ein Impingement behandelt wird, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und was dahintersteckt. Ziel ist, dass die Sehne wieder mehr Platz bekommt, die Reizung abklingt und die Schulter frei beweglich wird. In vielen Fällen ist dafür keine Operation nötig.
- Schmerzen und Entzündung lindern: In der akuten Phase können Kühlen, eine Pause bei Überkopfbewegungen und entzündungshemmende Medikamente helfen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen kräftigen die Rotatorenmanschette und verbessern die Beweglichkeit.
- Haltung und Alltag: Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz und regelmäßige Pausen können die Schulter auf Dauer entlasten.
- Spritzen: Bei hartnäckigen Beschwerden kann eine Spritze (zum Beispiel mit Kortison) die Schmerzen für eine Zeit lindern.
Wie Osteopathie bei Impingement helfen kann
In der Osteopathie schaue ich nicht nur auf die schmerzende Stelle, sondern darauf, warum es unter dem Schulterdach eng geworden ist. Dafür untersuche ich, wie sich Ihre Schulter, Ihr Schulterblatt, der obere Rücken, die Rippen und der Nacken bewegen. Dann behandle ich gezielt mit den Händen:
- Verspannte Muskeln rund um die Schulter lösen, damit der Oberarmkopf wieder besser in der Gelenkpfanne geführt wird.
- Schulterblatt und oberen Rücken beweglicher machen, denn ein steifes Schulterblatt oder ein runder Rücken engen den Raum unter dem Schulterdach ein.
- Verklebtes Bindegewebe lockern, damit Sehne und Schleimbeutel wieder frei gleiten können.
- Nacken und Rippen einbeziehen, weil sie die Bewegung der Schulter mitbestimmen.
Genauso wichtig ist, was Sie selbst tun: Übungen, die Sie zu Hause regelmäßig machen, sind ein fester Teil der Behandlung. Ich zeige Ihnen, welche Übungen zu Ihrer Schulter passen.
Wie ich in meiner Praxis in Berlin Prenzlauer Berg arbeite, lesen Sie auf der Seite Osteopathie in Berlin. Was Osteopathie sonst noch lindern kann, steht unter Wobei hilft Osteopathie?
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Häufige Fragen zum Impingement der Schulter
Wie lange dauert ein Impingement der Schulter?
Das ist sehr unterschiedlich. Eine frische Reizung kann sich oft innerhalb einiger Wochen beruhigen, wenn Sie Überkopfbewegungen eine Zeit lang meiden und regelmäßig üben. Besteht das Impingement schon lange, dauert es meist mehrere Monate. Wichtig ist, dranzubleiben – auch wenn es zwischendurch besser wird.
Wie schlafe ich am besten mit Impingement?
Legen Sie sich möglichst nicht auf die schmerzende Schulter. In Rückenlage kann ein flaches Kissen unter dem Oberarm helfen, die Schulter zu entspannen. Wenn Sie auf der gesunden Seite liegen, nehmen Sie ein Kissen vor den Bauch und legen den Arm darauf – so hängt die Schulter nicht nach vorne.
Was sollte ich bei Impingement besser nicht tun?
Den Schmerz nicht „wegtrainieren“: Schwere Gewichte über Kopf, Liegestütze oder Bankdrücken können die Sehne in der akuten Phase weiter reizen. Ebenso ungünstig ist es, den Arm wochenlang gar nicht zu bewegen – dann kann die Schulter steif werden. Der Mittelweg ist richtig: bewegen, aber im schmerzfreien Bereich.
Hilft ein Tape bei Impingement?
Ein Tape kann die Schulter für einige Tage entlasten und Sie an eine aufrechtere Haltung erinnern. Viele empfinden das als angenehm. Es ersetzt aber keine Übungen und keine Behandlung.
Wann muss ein Impingement operiert werden?
Selten sofort. Meist wird zuerst einige Monate ohne Operation behandelt. Eine Operation kommt in der Regel erst infrage, wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht bessern oder eine Sehne gerissen ist. Das besprechen Sie am besten mit Ihrem Orthopäden.
Kann Stress Schulterschmerzen verstärken?
Ja, das ist möglich. Unter Stress spannen viele Menschen Schultern und Nacken unbewusst an. Die Schultern wandern nach oben und vorn – und unter dem Schulterdach wird es enger. Bewusstes Entspannen, ruhiges Atmen und Bewegungspausen können hier zusätzlich helfen.
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